top of page
Suche

Dem Ruf der Seele folgen

Oder: Wie uns Visionssuche und Naturarbeit an uns selbst erinnern



Die Vögel singen. Ein Bergbach zieht plätschernd durch das urwüchsige Wald- und Wiesengebiet der französischen Vogesen. Auf dem mit Moos bedeckten Waldboden tummeln sich Felsbrocken und Findlinge wie gigantische Skulpturen, wie Zeugen einer anderen Zeit. Im Morgengrauen hat sich eine Gruppe mutiger Menschen zu einer ganz besonderen Reise aufgemacht – zu einer Suche nach Führung, nach Visionen, nach Antworten aus der sprudelnden Quelle der Natur. Nur mit der notwendigen Ausrüstung, einem Tarp und den eigenen, stillen Gebeten im Gepäck geht jede*r einen anderen, einen eigenen Weg hinaus in die Wälder und Wiesen. Ein kleines Lager wird aufgeschlagen; dieses wird für die kommenden Tage Zentrum der inneren und äußeren Welt.


Ohne festes Dach über dem Kopf, ohne Essen, ohne elektronische Geräte und das unentwegte Plappern der sozialen Netzwerke begegnen die Suchenden hier in einer tiefe Innenschau sich selbst und erleben die Essenz des Hinhorchens, Hinspürens. Erhalten vielleicht auch Antworten auf Fragen, die vorher noch gar nicht da waren.




Geöffnet und gehalten wird dieser Raum von Alexandra und Manuela, die seit vielen Jahren Menschen in Wachstums- und Übergangsphasen begleiten. Hierbei arbeiten sie mit Elementen aus dem Naturcoaching und insbesondere mit dem großen Ritual der Visionssuche - das so viel mehr als nur eine weitere Methode der Selbsterfahrung ist. Was bleibt, wenn die zivilisatorischen Säulen der Technik, der Modernität, der Ablenkung um uns herum wegfallen? „Wer sind wir ohne unser Tun, ohne unsere bisherigen Identifikationen, tief im Kern?“ 'Vision quest', heißt die Visionssuche im Englischen, deren überlieferte Wurzeln in der Tradition der nordamerikanischen Indigenen zu finden sind. Bei den Lakota hieß die Visionssuche Hanblecheya, meist übersetzt als »Flehen um ein Gesicht«. Han bedeutet »Nacht«, ble »See«, cheya »anflehen«. Wörtlich heißt es also »die Nacht auf dem See anflehen« und verweist darauf, dass die Visionssuche ursprünglich auf einem Floß stattfand, an das der Suchende angebunden war. Das lässt die unerschütterliche Verbindung dieses Naturvolks zur Landschaft, zur Wildnis und der ihr innewohnenden Weisheit erahnen. Oft begingen sie diese Reise für ihr Dorf, kamen mit Antworten für ihre Gemeinschaft zurück. Mit ihrer Arbeit stehen die beiden ausgebildeten Visionssucheleiterinnen in der Tradition der 'School of Lost Borders' in Kalifornien, deren Begründer Steven Foster und Meredith Little die Traditionen der Indigenen in Amerika erforscht und in einen Rahmen gegossen haben, der zum westlichen Raum und in die heutige Zeit passt und unabhängig von kulturellen, religiösen und sozialen Hintergründen ist.

Wenn auch in unserem mitteleuropäischen Kulturraum nicht mehr verankert, so bezeugen doch die bei uns überlieferten Märchen und Mythen – von späteren Überformungen gelöst -, dass Initiationsrituale auch bei uns begangen wurden




Alexandra und Manuela sehen in der Visionssuche auch eine Chance, sich auf die zyklischen Rhythmen zurückzubesinnen, an denen sich alles Lebendige orientiert, die aber in unserer modernen Zeit in Vergessenheit geraten sind, verdrängt von einem materialistischen Weltbild, Linearität und Effizienz. Tief in der mitteleuropäischen Mythologie und den Jahreskreisfesten des mitteleuropäischen Raums verankert, wirken in Alexandra's und Manuela's Arbeit hiesige Traditionen und Naturgesetze. Das erzeugt eine besondere Resonanz bei den Teilnehmenden, ein Wiedererkennen dieses ureigenen Wissens um die Rhythmen, die das Jahresrad drehen, die Natur blühen und welken lassen und nicht nur die Meere, sondern auch unsere inneren Gewässer bewegen. All unser Tun und Sein ist von diesen Zyklen beeinflusst. Das beinhaltet auch das Ruhen, das Lauschen in die Leere, und das Sterben. „Unsere moderne Gesellschaft hat das Ausatmen, das Sterben lassen verlernt.“ Aber da ist kein Frühling ohne Winter, keine Morgendämmerung ohne die Nacht. Wahre Transformation, egal ob individuell oder gesellschaftlich, braucht einen Sterbeprozess, aus dem sich das Neue entfalten kann. Es gehe auch nicht um eine aktive Suche, oder darum, etwas werden zu müssen, erklären Alexandra und Manuela, sondern viel mehr darum, einfach mit den natürlichen Rhythmen zu sein, sich einbetten zu lassen zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang, fernab der getakteten Zeit. 'Visionszeit', nennen die beiden ihren Raum, um die Seinsqualität hervorzuheben.


Diese Visionszeit ist ein Transformationsritual, ein Hinübertreten in eine andere Wahrnehmungsebene als die des Alltags. In indigenen Kulturen waren Schwellenrituale fester Bestandteil des Lebens, prägten wichtige Übergange wie das Erwachsenwerden, die Geburt oder den Eintritt in den Kreis der Ältesten. Sie dienten der Initiation in die nächste Lebensphase, dem Einfügen in ein größeres Ganzes, dem Erforschen der sich ändernden eigenen Rolle und dem eigenen Beitrag an die Gemeinschaft. Vor allem für junge Menschen seien diese Übergangrituale enorm wichtig, erörtern Alexandra und Manuela. In einer Zeit voller Suche, existenzieller Fragen und Zweifel stärken die Herausforderungen und das Sein in diesem lebendigen Naturraum das Vertrauen in sich und das Leben. Sie helfen beim Prozess der Abnabelung, beim Begreifen der sich vollziehenden Wandlung ins Erwachsensein und schenkt Vertrauen für alle weiteren Schwellenmomente des Lebens. Der Verlust solcher Initiationsriten führt viele junge Menschen in eine Krise, die bis ins Alter nachwirken kann. Gerade deshalb sind Schwellenräume wie die Visionszeit so wertvoll – sie schenken einen klar formulierten Rahmen, in dem sich der individuelle Prozess, die individuelle Transformation, behütet entfalten kann. „Alles beginnt mit einem Ruf.“ Für die eine ist es der Auszug ihrer Tochter und die damit verbundene Frage nach neuer Orientierung, für den Nächsten ist es eine innere Schwere und Leere, die ihn lähmt. Eine Frau sucht Vertrauen in sich selbst und möchte in der Natur ihre Angst vor dem Alleinsein überwinden, eine Andere fragt nach ihrem ureigenen Platz im Leben. Ein Mann sucht nach einer Trennung neuen Halt und Ausrichtung. Eine junge Frau spürt eine diffuse Unzufriedenheit, die Frage nach ihrem innerem Feuer und nach Sinn ruft sie zur Visionssuche... All das fühlt sich verunsichernd oder gar krisenhaft an. Das Alte trägt nicht mehr und das Neue ist noch nicht geboren. Das ist ein guter Zeitpunkt, um sich aus dem Alltag zurückzuziehen und in der Stille auf das zu schauen, was es loszulassen gilt und was werden will.



Das Grundmuster aller bekannten Übergangsrituale, so auch der Visionssuche, weist eine dreiteilige Struktur auf: Ablösung/Vorbereitungszeit - Separation/Schwellenzeit - Wiedereingliederung. Im Seminar ist die intensive Vorbereitungszeit bereits von Ritualen und Naturimpulsen zur Rückschau geprägt: ‚Wer bin ich bis hierhin geworden‘. Gleichzeitig dienen die Naturgänge dazu, in eine andere Gangart zu kommen. Der Verstand darf in den Hintergrund treten und die Seele die Führung übernehmen. Im Alltag, aus dem die Teilnehmenden kommen, sind die Sinne oft reizüberflutet und auch abgestumpft vom vielen Drinnensein, von der Computerwelt. Hier, draußen in der Natur, dürfen sie sich wieder öffnen, darf das Hinschauen, das achtsame Wahrnehmen und Lauschen wieder gelernt werden. Spürend statt denkend. Auch die persönliche Absicht für die Schwellenzeit wird präzise herausgearbeitet. Daneben steht die ganz praktische Vorbereitung wie das Sicherheitssystem, der Umgang mit dem Fasten, mit Gefahren und Ängsten, der Bau eines regensicheren Tarps. Noch hat die Gruppe ihre Basis für dreieinhalb Tage in einem abgelegenen ehemaligen Bauernhaus mit Blick auf grüne Hügel und verbuschte Wiesen, auf denen die Kühe ihr Sommerquartier haben. Im Hintergrund ist das Rauschen des wilden Baches zu hören. Von dort schwärmen die Teilnehmenden am letzten Tag der Vorbereitungszeit aus, um ihren persönlichen Kraftplatz für die Schwellenzeit zu finden. Darauf folgt der Moment, in dem die Teilnehmenden in den Schwellenkreis treten, um rituell in ihre Solozeit verabschiedet zu werden. Unbekanntes Terrain. Mit ihrem spartanischen Lager als Ausgangspunkt, verbringen die Teilnehmenden vier Tage und Nächte in der Natur. Fastend, fern von Menschen, dafür mitten im prallen Leben der Stein-, Pflanzen- und Tierwelt, der Elemente.




Die Schwelle informiert symbolisch darüber, dass das Kernritual beginnt – bei der Visionssuche besteht sie meist aus einem Steinkreis. Bei anderen Arten von Schwellengängen kann es auch eine wortwörtliche, physische Schwelle sein, etwa ein zum Torbogen gewölbter Baumstamm, ein Bach, der durchquert wird, oder das Verlassen eines vorgeformten Pfades.Vom Bild her wird hier ein gewidmeter Seelenraum betreten, in dem andere Gesetze gelten als die des Alltags. Hier gibt es keine Zufälle, vielmehr Synchronizität. Die äußere Landschaft wird als Widerspiegelung der inneren Seelenlandschaft wahrgenommen. Es ist ein Umschwung zum Wesentlichen spürbar, zu etwas, das qualitativ eine andere Wirklichkeit hat als die profane Welt. „Alles, was uns in der Schwellenzeit begegnet, hat eine tiefere Bedeutung.“ Das Ritual selbst kommt einem entgegen, mit einer ganz eigenen Sprache und Wirksamkeit. Einer Sprache, die auch die Stille beinhaltet. Die Leere. Vier Tage, allein. Viele fürchten sich vor der Leere, vor dem Alleinsein und dem Nichtstun. Vor dem, was darin auftaucht. Durch die Entschleunigung fühlen sich die Tage, die im Alltag oft so voll, so kurz erscheinen, endlos an. Es entsteht ein Raum wie eine weiße, leere Leinwand. Nicht der Verstand bestimmt das Ziel. Es geht darum, sich wieder selbst zu spüren und wahrzunehmen, auch in seiner eigenen Wildnatur. Sich führen zu lassen und der eigenen, oft leisen Intuition zu lauschen, die Leere auszuhalten. Den inneren und äußeren Bewegungen und Zeichen zu folgen und aus dem Spiegel der Natur zu lesen. Gefühle, auch Schatten kommen ans Licht, die gesehen, die ausgedrückt werden wollen. Es spinnt sich ein Faden, der manchmal erst viel später verstanden wird. Es zeigt sich immer genau das, was eine Person für ihren nächsten Entwicklungsschritt gerade braucht. Ablösung oder Versöhnung, das Ablegen von alten Mustern und Ängsten, Selbstliebe – die individuellen Prozesse können sich ganz natürlich Schritt für Schritt entfalten. Selten verlaufen die Prozesse ganz ohne Wachstumsschmerzen. Dann ist Hingabe und Vertrauen gefragt, ans Sterben lassen und an den Schmerz - die Wut - die Scham - die Trauer als gleichwertigen Teil des Lebens. „Das Hingeben und Dableiben führt uns, an den Punkt, um den es wirklich geht.“


Nicht zu unterschätzen ist auch der Prozess, den der Körper selbst in diesen vier Tagen und Nächten durchlebt – jenseits des Fastens.Die Teilnehmenden der Visionszeit sind der Natur und ihren Kräften auf eine ungewohnte Art ausgeliefert – der Kälte, dem Wetter, den kriechenden und krabbelnden Tieren, den Geräuschen bei Nacht. Das macht ehrfürchtig. Jedes Element nimmt Einfluss auf das Erleben, verbindet den Körper und die Seele mit der Kraft der Landschaft.Mit allem, was einen umgibt, kann man in Verbindung treten. „Geh barfuß. Lauf rückwärts. Krieche. Rieche an Dingen. Spring in die Pfützen. Fass alles an! Sprich mit den Wesen, die dir gegenüber stehen. Mit Baum, Stein, Käfer, Reh, Regenschauer, Mond und Nacht. Jedes Wesen hat eine eigene Würde und war schon lange vor uns hier.“ Wenn man mit der Wildnis auf diese Weise interagiert, erinnert man sich auf Zell- und Sinnesebene. An die uralte Verbindung zwischen Körper, Landschaft und Seele, zwischen uns und der großen, weiten Seele der Welt, der 'anima mundi'. Das Lebendigwerden dieser Verbindung geht einher mit der Erkenntnis, dass wir uns nicht unterscheiden von dem, was um uns herum existiert. Dass wir eingewoben sind in das Netz aller Dinge. Nur durch den Körper kann ein solches Gefühl der Geborgenheit und Zugehörigkeit erlebt werden, kann sich als Erfahrung abspeichern, die einem niemand mehr nehmen kann. „Erinnerung passiert zwischen Körper und Landschaft. Das ist ein Nachhausekommen.“ Die in der Schwellenzeit gewonnenen tiefgreifenden Erfahrungen und Erkenntnisse führen zu einem neuen Verständnis, zu tieferem Vertrauen und Verwurzelung, und damit einem Blick, mit dem das gewohnte Umfeld neu erlebt werden kann. Neue Perspektiven, Handlungs- und Verhaltensmuster werden möglich. Das kann nicht ohne die Wiedereingliederung/Integrationsphase geschehen. Die Tage nach der Schwellenzeit dienen dazu, das Erfahrene mit den anderen Teilnehmenden zu teilen. Die aus der Auszeit mitgebrachten Geschichten werden von den Leiterinnen in einem wertschätzenden Spiegel gewürdigt, bekräftigt und vertieft, die Gaben und Schätze werden sichtbar gemacht. Dann gilt es zu schauen, wie die Erkenntnisse der heiligen Zeit in den Alltag eingewoben werden können, dort wo alte Strukturen und Muster die Zurückkehrenden vielleicht nochmals prüfen werden. Die Integrationszeit ist ein wichtiger Teil der Reise, für den Alexandra und Manuela den Teilnehmenden noch ein Jahr lang bei Bedarf begleitend zur Seite stehen. Die beiden beschreiben das Ritual der Visionssuche als ein Gefäß aus Raum und Zeit, in dem alle jemals zuvor begangenen Visionssuchen enthalten sind. Dieses Gefäß trägt, spendet Kraft und Weisheit, und öffnet Türen zu ungeahnten Heilungswegen.




Hierbei verstehen sich die beiden übrigens keineswegs als Lehrerinnen. Sie öffnen den Raum, halten den Rahmen, begleiten durch ihre Erfahrung und Präsenz. Berufen sich auf Kräfte, die größer sind als sie selbst. Verbinden sich mit dem Mysterium dieses großen Gefäßes.Das Erinnern allerdings, passiert bei den Teilnehmenden selbst. Diese verletzlichen und zugleich kraftvollen und einzigartigen Prozesse bezeugen zu dürfen, sehen die beiden als großes Geschenk. Manuela's persönlicher Ruf entstand aus einer Lebenskrise, einem Moment der Trennung - wie das so oft ist. Auf der Suche nach Begleitung entstand ihre erste Berührung mit der Naturarbeit und bewegte sie tief, half ihr auch, ihre eigene Gefangenschaft in der modernen, leistungsorientierten Gesellschaft zu erkennen und zu verstehen. Einige Jahre später wandte sie sich der Visionssuche zu, die ihre eigenen Prozesse, ihr Weltbild und ihre Lebensphilosophie nachhaltig prägte. Alexandra hatte einst ihre eigene Heilkräutergärtnerei, war schon damals mit den heilenden Kräften der Natur tief in Kontakt. Aber auch sie durchlitt eine Krise, verlor durch eine Trennung Beziehung, Beruf und Garten. Sie wandte sich mit den dadurch aufkommenden Fragen regelmäßig an die Natur und wurde von den Antworten, die sie erhielt, Schritt für Schritt durch die Krise geleitet. Tief berührt und beeindruckt davon, wie sehr sie dieser Prozess ihrer eigenen Essenz näher gebracht und ihr eine neue Lebenshaltung geschenkt hatte, entschied sie sich für die Ausbildung zur Visionssucheleiterin. Als Mentorinnen für die Visionssuchearbeit mit jungen Frauen lernten die beiden sich kennen, und entdeckten ihr Potential für gemeinsame Räume und Projekte, vor allem aber ihre geteilte Liebe zur Natur als eigentliche Lehrmeisterin.


Im Chinesischen heißt das Wort für Natur übersetzt so viel wie 'selbst so' oder 'genau so' und erinnert uns daran, dass wir eben genau das sind – Natur. Darum bietet sie einen so kraftvollen Resonanz- und Erfahrungsraum, weil sie alles abbildet, was auch in uns geschieht, weil sie weder Schönheit und Mysterium, noch Leid und Tod ausschließt. Alles hat seinen Platz im Gefüge. Die Natur wertet nicht, erwartet nicht. Heißt uns genau so willkommen, wie wir sind. Bietet uns bereitwillig ihren Spiegel an, in dem wir uns selbst erkennen können. Der Mensch hat die meiste seiner Zeit auf Erden draußen, in der Natur, verbracht. In Beziehung zu Landschaft und Wildnis, in Ehrfurcht und gegenseitigem Respekt. Wie weit wir als Gesellschaft von diesem Eingebundensein abgekommen sind in der verhältnismäßig kurzen Zeit, die wir in geschlossenen Räumen leben, ist erschütternd. Das große Potential der Visionszeit und Naturarbeit sehen Alexandra und Manuela auch darin, die künstliche Trennung zwischen Mensch und Natur wieder aufzuheben.  Es geht um das Erkennen, dass die Welt in Schieflage geraten ist. Dass die eigene Erschöpfung nicht nur individuell, sondern auch kollektiv und strukturell begründet liegt. Wenn wir uns von diesem Schmerz berühren zu lassen, bewusst erfahren, das wir Teil eines großen Lebensgewebe sind, verändert sich oft auch unser alltäglicher Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen. Aus einem tief empfundenen Zugehörigkeitsgefühl zur Natur kann eine neue Achtsamkeit entstehen – eine Haltung, in der im besten Fall zerstörerisches Verhalten der Umwelt gegenüber undenkbar wird.  „Die Natur ermutigt, ermächtigt uns dazu, die Veränderung, die wir uns wünschen, in uns selbst zu finden und zu kultivieren.“ Hier verwandelt sich die individuelle Lebensphilosophie über das Persönliche hinaus in eine politische und soziale Dimension hinein: eine Haltung, die sich das Hüten und Behüten der Erde zur Aufgabe macht.



Der Dank der Autorin gilt Alexandra Chevallerie, www.licht-gruen.de und Manuela Reichmann, www.natuerlich-entfalten.de für den tiefen Einblick in ihre Arbeit und das Mitwirken an diesem Artikel.

Alle Texte sind geistiges Eigentum von Janna Myska und nicht zur virtuellen oder physischen Vervielfältigung freigegeben.



Bildrechte: A. Chevallerie, M. Reichmann, Sabine Schmid @sabineschmidphotography (IG)







 
 
 

Kommentare


bottom of page